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Wenn die Hände reden

Wie gehörlose Kinder das Schwimmen lernen

Das Team um René Weiß im Lausitzbad Hoyerswerda, bestehend aus sehr gut ausgebildeten Fachangestellten sowie geprüften Meistern für Bäderbetriebe, reagiert mit speziellen Angeboten für Kitas auf den oftmals vollen Arbeitsalltag in Familien. Neben Arbeit, Haushalt, Kinderbespaßung und Hausaufgabenkontrolle bleibt kaum noch Zeit für einen Schwimmkurs. Dass die Kinder während der Kita-Zeit schwimmen lernen, erfreut die Eltern umso mehr. Und aus Sicht von Matthias Brauer, Geschäftsführer Lausitzbad, gibt es den Mitschwimmer-Effekt gleich gratis dazu: „Im gewohnten sozialen Umfeld macht das Schwimmenlernen einfach viel mehr Spaß und nimmt eventuelle Ängste vor dem kühlen Nass“, betont er.

Auch Kinder mit Handicap werden in die Schwimmkurse dank der Gebärdensprachdolmetschern des Netzwerks Vigevo für Gebärdensprachleistungen in Dresden und Bautzen voll integriert. Sie stehen am Beckenrand, übersetzen „mit Hand und Fuß“ die Anweisungen der Schwimmlehrer und helfen gehörlosen Kindern zu lernen, sich sicher im Wasser zu bewegen. 

Lausitzbad Gebärdensprache

Sprache und Geräusche übersetzen

Sindy Christoph ist Gebärdendolmetscherin

Die Einsätze für Gebärdensprachdolmetscher unterscheiden sich nach dem Übersetzen vom Blatt und dem simultanen Dolmetschen, wobei Letzteres die vorrangige Arbeitsmethode ist. Bei Veranstaltungen, die länger als eine Stunde dauern, werde oft in Doppelbesetzung gearbeitet, wechseln sich die Gebärdensprachdolmetscher etwa alle zehn Minuten ab. Im Unterschied zu einem „normalen“ Dolmetscher (Lautsprachdolmetscher, so der Fachbegriff) müssen sie Geräusche mit übersetzen, etwa wenn unverhofft ein Handy klingelt und damit für Gelächter im Saal sorgt. Oder wenn auf der Straße ein Martinshorn erschallt und die Kinder einer Kita vor lauter Neugier ans Fenster rennen. „Das gehörlose Kind kann mit unserer Hilfe selbst bestimmen, ob es auch hingehen und nachschauen will“, begründet Sindy Christoph. Das Kind ist somit seinen Altersgefährten gleichgestellt und nicht benachteiligt. Selbst Mutter einer Tochter (12) und eines Sohnes (4) arbeitet sie mit Kindern besonders gern.

Seit 2003 ist die Demitz-Thumitzerin freiberuflich tätig. Denn so, wie sich die deutsche Sprache weiterentwickelt, müsse das auch die Gebärdensprache. Mittlerweile gebe es eine regelrechte Szene mit Leuten, die für neue Begriffe aussagekräftige Gesten finden. Über die sozialen Medien würden diese dann verbreitet. Ihre ersten Kontakte nach Hoyerswerda reichen bis 2008 zurück. Nach und nach sind daraus regelmäßige Kundenbeziehungen entstanden. „Bei Bedarf sucht sich jeder Gehörlose seinen Dolmetscher selbst“, sagt sie.

Eine Hebamme stellte vor einiger Zeit den Kontakt zu einer Mutti mit einem wahrscheinlich tauben Kind in Hoyerswerda her. Die Gebärdensprachdolmetscherin besuchte die Familie. Der Verdacht bestätigte sich. Im Wechsel mit fünf weiteren Kolleginnen begleitet Sindy Christoph das Kind im Rahmen einer sogenannten Kindergartenassistenz – jeweils vormittags zwei Stunden in der Bildungszeit der Kita. Im Kindergarten vermittelt sie dem Kind aber nicht nur, womit sich die anderen Kids gerade beschäftigen. Sie regt ebenso „Gespräche“, also die Kommunikation der Mädels und Jungs, untereinander an. Spielerisch bleibt da so ganz nebenbei die eine oder andere Geste der Gebärdensprache hängen. Die Dolmetscherin hat beobachtet, dass die Kinder durchaus versuchen, die Gesten im Alltag anzuwenden. Sie würde sich wünschen, dass es ein Angebot für alle Kinder in der Kita gebe, damit sie sich noch besser miteinander verständigen könnten.

Sindy Christoph Gebärdendolmetscherin

Kommunikation bedeutet Integration

Sindy Christoph ist Gebärdensprachdolmetscherin. Die gebürtige Oberlausitzerin eignete sich die für das Studium an der Westsächsischen Fachhochschule in Zwickau erforderlichen Voraussetzungen in Kursen der Kreisvolkshochschule Bautzen an. In einer Einrichtung für Hörgeschädigte in Dresden sammelte sie praktische Erfahrungen. “Selbst mit dem Diplom in der Tasche ist man nach vier Jahren längst noch nicht fertig“, sagt sie. Gebärdensprachdolmetscher zu sein, erfordere nicht nur, die Gebärdensprache zu beherrschen. Man müsse „in viele Lebensbereiche eintauchen“. Mit ihren damals 22 Jahren habe sie das fast erschlagen. Deshalb nahm sie zwei Jahre an einem Mentoring in Baden-Württemberg teil. Zurückgekommen ist sie der Familie wegen. Aber wohl auch, weil sie ein bisschen Heimweh hatte.

Lausitzbad Hoyerswerda
Lausitzbad Hoyerswerda
Schwimmen lernen im Lausitzbad
Quelle: AHOY-Redaktion, Stadtmagazin Hoyerswerda, Ausgabe 3-2020 AHOY

Gebärdensprache am Beckenrand

Frühförderung für gehörlose Kinder als Vorbereitung auf die Schule

Die Begleitung ins Lausitzbad ist Teil dieser Kindergartenassistenz. Wenn die Kita-Kinder schwimmen lernen, steht Sindy Christoph am Beckenrand – mitunter auch im Wasser – und dolmetscht. „Im Bad ist diese Hilfe zwingend erforderlich“, erklärt sie. Und zwar nicht nur für Kinder, die überhaupt nicht hören können, sondern auch für die, die normalerweise eine Hörhilfe tragen. Denn diese müssen sie ablegen, bevor sie ins Wasser gehen. Beantragt wird eine solche Assistenz über das örtliche Sozialamt. Die Behörde entscheidet, ob der Bedarf besteht und wie lange. Wie Sindy Christoph aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß, zahle sich dabei die Hartnäckigkeit der Eltern aus. In Hoyerswerda hat sie erlebt, dass diese Assistenz zumeist „wohlwollend“ gesehen und als wichtige Förderung für die Entwicklung des Kindes bewilligt wird. Allerdings, so räumt sie ein, sei jeder Fall ein Einzelfall und es für die Behörde immer schwer, objektiv zu entscheiden.

An ihrem Beruf mag die Gebärdensprachdolmetscherin, dass er so abwechslungsreich ist, dass man viele verschiedene Menschen trifft und sie „dabei immer auch selbst etwas dazulernt“. Seit 2015 betreibt sie zusätzlich ein kleines Unternehmen (ihre scouts), um Eltern betroffener Kinder in der Gebärdensprache zu schulen. Für die Kinder selbst sei die Frühförderung mit Gebärdensprache wichtig: So könnten sie besser auf den Schulbesuch vorbereitet werden. Gebärdensprache ist nun mal die Basissprache für gehörlose Kids. Außerdem bietet sie mit ihrem Team Spezialkurse für Erzieherinnen an. Gehörlos ist man von Geburt an oder wird es durch Krankheit. Meist führt ein schleichender Prozess zur späten Ertaubung. Dass es in Hoyerswerda offenbar keinen Verein für Gehörlose mehr gibt, findet Sindy Christoph schade. Somit fehle eine Anlaufstelle. Es bedeute ja nicht automatisch, dass es weniger Gehörlose gibt. Allerdings führe es dazu, dass weniger Betroffene einen Zugang zur Gebärdensprache finden oder überhaupt suchen.

Den Ausgleich zu ihren mitunter sehr anstrengenden und deutschlandweiten Einsätzen findet Sindy Christoph beim Joggen, als Trainerin für karnevalistischen Tanzsport, da sie früher selbst aktiv war, und in ihrem Garten. Darüber hinaus engagiert sie sich ehrenamtlich in vielerlei Hinsicht für benachteiligte Menschen.

Schwimmen lernen im Lausitzer Seenland

Das Lausitzbad bietet neben den Schwimmkursen für Kinder auch Lehrgänge für Erwachsene an. Deren Zahl steigt seit einigen Jahren stetig. Matthias Brauer freut das sehr. Denn lange Zeit sei das ein Tabu-Thema gewesen. „Viele Erwachsene haben sich nicht getraut, sich selbst einzugestehen, dass sie das Schwimmen lernen müssen“, begründet er. Die steigende Teilnehmerzahl zeuge von einem anderen Bewusstsein, aber auch ein Stück weit von Vertrauen in das Team der Einrichtung.

Matthias Brauer und die Schwimmlehrer arbeiten zielgerichtet daran, dass die Anzahl der Nichtschwimmer in Hoyerswerda und den Ortsteilen weiter sinkt. „Wir leben im Lausitzer Seenland, umgeben von sehr viel Wasser, da wollen wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, die Risiken zu minimieren“, erklärt er.

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